Julia Schönhofen: Sparringspartnerin für Selbständige

Fokussiert arbeiten statt verzetteln – So behältst du als Selbstständige deinen Fokus

Fokussiert arbeiten klingt so einfach – und ist im Business-Alltag doch so schwer.
Gerade als Selbstständige verzetteln wir uns oft, obwohl der Plan für den Tag eigentlich klar war.

Du sitzt an deinem Schreibtisch, der Kaffee duftet neben dir, und der Plan für den Tag steht: endlich den eigenen Content-Marketing-Plan umsetzen! Doch kaum hast du angefangen, ploppt eine E-Mail mit einem neuen Newsletter auf. Dann schreibst du schnell einer Kundin zurück. Auf einmal erinnerst du dich an die unbeantworteten LinkedIn-Nachrichten. Der Vormittag verfliegt – und dein eigener Content bleibt unveröffentlicht.

Klingt irgendwie vertraut? Kein Wunder. Als Selbstständige jonglierst du täglich Marketing, Kundenarbeit, Projektmanagement, Buchhaltung und Weiterbildung. Dabei bleibt oft das Wesentliche auf der Strecke: fokussiertes Arbeiten, also die volle Konzentration auf eine einzelne Aufgabe. Doch genau darin liegt der Schlüssel, um weniger gestresst zu sein und dein Business nachhaltig voranzubringen.

Denn eine Studie hat ergeben: Die häufige Unterbrechung unserer Tätigkeiten kostet in einer Vollzeitbeschäftigung bis zu 3 Arbeitstage – pro Monat!

In diesem Artikel gebe ich dir daher meine erprobten Strategien an die Hand, wie du deinen Fokus stärkst, dich weniger verzettelst und mit klarer Konzentration mehr erreichst!

Wichtig: fokussiertes Arbeiten ist ein Teil des erfolgreichen Selbstmanagements von Selbstständigen. Eine Übersicht aller wichtiger Bausteine findest du hier. Über das erfolgreiche Setzen von Prioritäten habe ich zudem bereits einen eigenen Unterartikel veröffentlicht. Diesen empfehle ich dir auch zu lesen – denn fokussiertes Arbeiten wird nur dann den Erfolg deines Business steigern, wenn du an den richtigen Aufgaben arbeitest.

Warum fällt es so schwer, fokussiert zu bleiben?

Lass uns zuerst reflektieren, warum es gerade Selbstständigen immer wieder schwerfällt, sich für eine bestimmte Zeit auf eine einzelne Aufgabe zu konzentrieren und den Fokus zu halten.

Ein Grund ist sicherlich, dass Selbstständige eine große Vielfalt von Aufgaben haben: sie arbeiten an Kundenprojekten, entwickeln ihr Business weiter, machen Marketing, erledigen ihre Buchhaltung und vieles mehr. Häufig erfordern mehrere verschiedene Bereiche gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit – und es gibt keinen Chef, der eine klare Priorität setzt und einem für eine gewisse Zeit den Rücken freihält. Außerdem sind Selbstständige alleine für ihren Erfolg verantwortlich. Es ist also logisch, dass die Konzentration auf nur eine Sache über längere Zeit schwerfällt, weil dies automatisch heißt, dass die anderen Aufgaben liegen bleiben.

Ein weiteres Problem ist der immer noch verbreitete Irrglaube, dass man mit Multitasking mehr Aufgaben erledigen kann. Was für einen Solo-Selbstständigen beim ersten Hören nach der perfekten Lösung für die Vielzahl der unterschiedlichen Aufgaben klingt, entpuppt sich wissenschaftlichen Untersuchungen nach als echter Zeitfresser. Denn bei jedem Wechsel von einer unerledigten Aufgabe zur nächsten verlieren wir Zeit durchs Umdenken und Neu-Einarbeiten.

Das dritte Problem ist die Omnipräsenz von Ablenkungen: Emails kommen rein, das Handy klingelt und Social Media verführt mit einer endlosen Anzahl von Beiträgen. Und hinzu kommt der Fakt, dass viele Selbstständige von zuhause arbeiten, wodurch noch eine ganze Menge zusätzlicher Ablenkungen wie Waschmaschine, Paketbote oder ähnliches hinzukommt.

All dies sollen keine Ausreden sein, warum Fokus nicht für Selbstständige funktionieren kann. Allerdings finde ich es wichtig zu verstehen, warum es eine echte Herausforderung sein kann – und warum du milde mit dir sein darfst, wenn du mal wieder von einer Ablenkung in die nächste stolperst.

3 Vorteile von fokussiertem Arbeiten

Doch warum lohnt es sich, daran zu arbeiten, fokussierter zu werden?

  1. Mehr schaffen in weniger Zeit
    Zum einen können Selbstständige durch klaren Fokus ihre Produktivität erheblich steigern. Denn sie schaffen mehr Aufgaben in der gegebenen Zeit, wenn sie sich weniger ablenken lassen.
  2. Bessere Qualität der Ergebnisse
    Gleichzeitig steigern sie ihre Qualität, da sich in konzentrierten Phasen weniger Fehler einschleichen als bei ständigen Wechseln zwischen den Aufgaben.
  3. Mehr Fokus = weniger Stress
    Und drittens sorgt fokussiertes Arbeiten für echte Erfolgserlebnisse und somit auch für Stressreduktion. Denn statt mehrere Aufgaben abwechselnd zu machen, ohne sie zu beenden, kann durch einen klaren Fokus eine Aufgabe nach der anderen sauber abgeschlossen werden.

Tipps gegen Verzetteln: So kannst du deinen Fokus erhöhen

Wie können Selbstständige nun konkret daran arbeiten, fokussierter zu werden? Dafür gibt es viele verschiedene Ansätze, wobei jeder für sich prüfen muss, was am besten hilft.

  1. Schaffe eine fokusfördernde Umgebung:
    Prüfe deine direkte räumliche Arbeitsumgebung: hast du alle Arbeitsutensilien griffbereit? Fühlst du dich an deinem physischen und virtuellen Arbeitsplatz wohl?
  2. Schalte Störquellen bewusst aus:
    Welche Benachrichtigungen auf dem Handy kannst du stumm schalten? Möchtest du das Handy ggfs. für gewisse Zeiten ganz beiseitelegen? Schließe dein Postfach gezielt, ebenso wie ablenkende Tabs und Fenster. Manche Browser bieten auch die Möglichkeit, separate Desktops zu nutzen.
  3. Arbeite mit Fokus-Techniken:
    Nutze konkrete Arbeitstechniken wie die Pomodoro-Technik oder Timeboxing, welche ich in diesem Beitrag zum Selbstmanagement beschrieben habe.
  4. Unterstütze dein Gehirn aktiv:
    Fokus-Musik, kurze bewusste Pausen und Bewegung zwischendurch helfen dir, den Fokus zu erhöhen – besonders bei langen Arbeitseinheiten.
  5. Nutze Routinen für mehr Fokus:
    Klare Strukturen wie eine Morgenroutine können dir helfen, gezielt ins fokussierte Arbeiten zu kommen. Zum Beispiel kannst du die ersten 15 Minuten für die Definition der Tagesaufgaben verwenden, und die folgenden 30 Minuten für die wichtigste Aufgabe reservieren.
  6. Nutze deine ideale Arbeitszeit:
    Achte auf deinen Bio-Rhythmus: manche können am besten frühmorgens arbeiten, andere nachmittags oder spätabends. Mit der schönste Aspekt einer Selbstständigkeit ist, dass wir selber bestimmen können, wann wir arbeiten – warum also nicht zu den Zeiten, an denen wir am ehesten in einen Flow kommen?

Beispiel aus dem Alltag: Wie meine Kundin ihren Fokus gestärkt hat

Doch wie sieht die Umsetzung dieser Tipps gegen das Verzetteln jetzt konkret im Alltag einer Selbstständigen aus? Dafür möchte ich dir nun von meiner Kundin Marlene (Name geändert) erzählen.

Marlene ist Webdesignerin und liebt es, für ihre Kundschaft kreativ zu werden. Dafür kommt sie quasi zu jeder Tages- oder Nachtzeit in den Flow. Andere Aufgaben wie die Erstellung von Content für Instagram oder ihre Buchhaltung schiebt sie häufig vor sich her.

Darum haben wir während unserer Zusammenarbeit festgelegt, dass sie sich den Freitag für genau diese Aufgaben reserviert und dies auch so an ihre Kundschaft kommuniziert. Außerdem haben wir über die Timeboxing-Methode für den Freitag verschiedene Zeiträume für die unterschiedlichen Aufgaben definiert. D.h. von 8 bis 10 hat sie sich auf die Contenterstellung konzentriert, von 10:30 bis 12 Uhr auf die Buchhaltung und so weiter.

Nach den ersten Wochen erzählte sie mir in einem unserer Sparrings, dass ihr die strikte Trennung von diesen unbeliebten Aufgaben und ihrer Kundenarbeit sehr dabei geholfen haben, fokussiert daran zu arbeiten. Allerdings hat sie festgestellt, dass ihre Motivation freitags nach ihrer Mittagspause häufig im Keller war, sodass sie die Aufgaben vom Nachmittag nicht erledigt hat.

Also haben wir noch mal nachjustiert und entschieden, dass sie freitags eine Stunde früher anfängt zu arbeiten, ihre Mittagspause bewusst etwas nach hinten schiebt, und in ihren regelmäßigen Pausen am Vormittag gesunde Snacks isst. Dadurch kann sie ihr Tagespensum vor dem Mittagessen erledigen, und hat zusätzlich einen früheren Start ins Wochenende.

Außerdem hat Marlene festgestellt, dass ihr die Zeit zum Content erstellen am Freitag nicht reicht. Darum hat sie sich aus ihrem Netzwerk eine Content-Buddy gesucht, mit der sie sich nun jeden Mittwochvormittag zum Co-Working trifft. Durch die virtuelle Anwesenheit von einer anderen Person fiel es ihr deutlich leichter, nicht doch „mal eben“ an einem Kundenprojekt zu arbeiten.

Du siehst also: auf Basis einer Analyse der konkreten Situation können durch einzelne Änderungen große Verbesserungen erzielt werden. Wobei es sehr wichtig ist, verschiedene Methoden auszuprobieren und nachzujustieren, falls es noch nicht ganz rund läuft. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Kapitel.

Fokus trainieren und im Flow bleiben

Das fokussierte Arbeiten an Aufgaben, die keine besondere Freude machen, fällt den wenigsten Menschen von Natur aus leicht. Doch ich kann dir sagen: du kannst es trainieren – und damit deinen Businessalltag deutlich effizienter gestalten.

Reflektiere dazu im ersten Schritt deine aktuelle Situation: bei welchen Aufgaben fällt dir das fokussierte Arbeiten leicht, bei welchen schwer? Gibt es Unterschiede bei den verschiedenen Tageszeiten oder Wochentagen? Welche Arbeitsumstände und -methoden helfen dir, fokussiert zu arbeiten? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Arten von Pausen auf deinen Fokus?

Als zweiten Schritt schätze, wie hoch dein Anteil fokussierter Arbeit aktuell an deiner Gesamtarbeitszeit ist. Und ganz wichtig: welchen Zielwert du in einem ersten Schritt erreichen möchtest. Dafür musst du keine komplizierten Zeitmessungen vornehmen. Vertraue stattdessen deinem Bauchgefühl und nimm eine Zahl auf der Zehnerskala (10 %, 20 %, 30 % etc.).

Im dritten Schritt legst du fest, wie du dein Ziel erreichen möchtest – also wie du häufiger in deinem Businessalltag ins fokussierte Arbeiten kommen kannst. Bestimme dafür bis zu 3 konkrete Maßnahmen, die du in einer bestimmten Zeit ausprobieren möchtest. Setze sie im besten Fall direkt um oder bereite sie vor, z.B. indem du deinen Kalender blockst, dir Erinnerungen schreibst oder eine passende Playlist erstellst.

Wiederhole die drei Schritte regelmäßig, um zu überprüfen, wie weit du gekommen bist. Und um herauszufinden, welche Maßnahmen gut funktioniert haben, und wo du noch mal nachjustieren kannst. So wirst du dir Routinen aufbauen, die dir langfristig dabei helfen, fokussierter zu arbeiten.

Beachte dabei: fokussiertes Arbeiten ist wie eine intensive Sporteinheit für dein Gehirn. Je mehr du davon machst, desto wichtiger ist es, gezielte und qualitativ hochwertige Pausen zu machen. Unser Gehirn kann zwar keinen Muskelkater spüren – aber spätestens, wenn du merkst, dass deine Produktivität deutlich nachlässt und du dich nur noch schwer konzentrieren kannst, ist es dringend Zeit für eine Pause. Wobei das Ziel ist, die Pausen so einzuplanen, dass du möglichst selten in diesen Zustand kommst.

Du möchtest dich weniger verzetteln und fokussierter arbeiten – aber dir fehlt noch die Struktur?
Im 360° Sparring unterstütze ich dich dabei, deine passende Routine zu entwickeln. Hier erfährst du mehr!

Fazit: Fokus als Schlüssel für ein erfolgreiches Business

Abschließend möchte ich noch mal sagen: Fokus alleine bringt deiner Selbstständigkeit nichts, denn es ist nur eine Arbeitsweise – und wenn der Rest deines Selbstmanagements schlecht ist, wird fokussiertes Arbeiten an den falschen Zielen oder mit den falschen Prioritäten nichts ändern.

Auf der anderen Seite kann fokussiertes Arbeiten ein absoluter Booster für deine Selbstständigkeit sein, wenn du es im Rahmen eines erfolgreichen Selbstmanagements verwendest. Denn dann wirst du deine Ziele deutlich effizienter erreichen und eine erfüllende Selbstständigkeit führen.

Darum probiere gleich meine Tipps aus, um langfristig mehr Fokus in deinen Business-Alltag zu bekommen. Oder lies hier noch mal alles rund um ein erfolgreiches Selbstmanagement als Basis für das fokussierte Arbeiten.

Porträt Julia Schönhofen

Julia Schönhofen

Ich unterstütze Selbstständige dabei, ihre Handbremsen zu lösen, damit ihr Business Fahrt aufnimmt. Damit Du erfolgreich Deinen Weg gehst und etwas bewegst – ohne Dich zu verausgaben.