Prioritäten setzen als Selbstständige: Businesstaugliche Tipps & Methoden
Du bist selbstständig und stehst gerade mal wieder vor einer Flut von Aufgaben und Verpflichtungen? Der Druck, alles selbst zu managen, überwältigt dich häufig und führt dazu, dass du dich verzettelst und die Orientierung verlierst? Plötzlich fühlst du dich gefangen in einem Strudel von scheinbar dringenden Kleinigkeiten, während die wirklich wichtigen Ziele in den Hintergrund geraten.
Du weißt: Damit du langfristig erfolgreich sein kannst, ist es entscheidend, klare Prioritäten zu setzen. Denn du wirst niemals alle deine Aufgaben erledigen können. Entscheidend ist, die wichtigen Aufgaben anzupacken, um deinen Zielen effizient näher zu kommen.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du mit einfachen, effektiven Methoden deine Prioritäten in deinem Business definierst und so fokussiert und produktiv bleibst.
Inhaltsverzeichnis
Die typischen Fallstricke beim Prioritäten setzen
Das Wort Priorität stammt ab vom lateinischen Wort prior, welches übersetzt werden kann mit „der Erste, Vordere“. Das bedeutet, mit Prioritäten wird bestimmt, welche Aufgabe als erstes erledigt wird, und welche Aufgaben entsprechend hinten angestellt werden.
Klingt in der Theorie logisch – doch warum fällt uns das Priorisieren von Aufgaben besonders als Selbstständige so schwer? Hier sind vier typische Hindernisse auf dem Weg zu klaren Prioritäten:
Fehlende klare Ziele
Das wichtigste zuerst: ohne klar definierte Ziele ist es so gut wie unmöglich, sinnvolle Prioritäten für deine Selbstständigkeit zu setzen – woher sollst du wissen, welchen nächsten Schritt du machen musst, wenn du nicht weißt, wo du hinmöchtest?
Fehlende Ziele führen dazu, dass du deine Aufgaben entweder zufällig, nach persönlichem Interesse oder nach Dringlichkeit auswählst – wodurch du deine Ressourcen höchstwahrscheinlich ineffizient einsetzt.
Tipp: Sowohl das Thema Ziele als auch Prioritäten sind wichtige Bausteine eines erfolgreichen Selbstmanagements. Wenn du bei beiden Themen Herausforderungen hast, empfehle ich dir als Einstieg meinen Blogbeitrag „Souveränes Selbstmanagement“.
Dringendes vs. Wichtiges
Ein zweiter Fallstrick beim Setzen der richtigen Prioritäten: kurzfristige Aufgaben, die dringend erscheinen, überlagern oft wichtige, strategische Aufgaben.
Zum Beispiel beantwortest du eher die eingehende Kundenmail, als Zeit in dein Marketing zu stecken. Oder du ziehst die Arbeit für deine Kundschaft regelmäßig der Weiterentwicklung deines Business vor.
Dieses Verhalten ist menschlich, jedoch wenig zielführend für dein Business. Denn natürlich vermittelt das Erledigen dringender Aufgaben das Gefühl, etwas sinnvolles und notwendiges geschafft zu haben. Doch meistens sind es die wichtigen Aufgaben ohne konkrete Zeitvorgabe, mit denen du deinen strategischen Zielen näher kommst und die du deshalb priorisieren solltest.
Multitasking-Falle
Du hast bestimmt schon selbst gemerkt, dass deine Produktivität darunter leidet, wenn du mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen möchtest. Dies kommt besonders dann vor, wenn wir bei einer Aufgabe (wie dem Schreiben eines neuen Blogbeitrags) z.B. durch eine Email unterbrochen werden – und „nur mal kurz“ antworten.
Während wir denken, dass wir schneller sind, wenn wir die Email direkt beantworten, hat Gloria Mark in einer Studie an der Universitiy of California herausgefunden, dass man nach einer Unterbrechung im Durchschnitt 23 Minuten und 15 Sekunden braucht, um wieder voll in die ursprüngliche Arbeit einzutauchen.
Durch gut gemeintes Multitasking werden wir also langsamer, schaffen dadurch weniger und haben das Gefühl, auf der Stelle zu treten.
Perfektionismus & Prokrastination
Ein weiteres Problem beim Setzen von Prioritäten ist ein Hang zum Perfektionismus. Denn statt gezielt die nächste Priorität anzugehen, stecken Perfektionisten Zeit und Ressourcen in ihre aktuelle Aufgabe, obwohl das Ergebnis eventuell schon vollkommen ausreichend ist.
Besonders hinderlich für Prioritäten wird es, wenn der Perfektionismus auf einen Hang zur Prokrastination trifft. In diesem Fall ist der Anspruch, die Aufgabe perfekt zu lösen, so groß, dass der Start z.B. aus Angst vor einem Versagen immer wieder aufgeschoben wird.
Das perfekte Beispiel für dieses Verhalten ist übrigens dieser Blog: Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich ihn tatsächlich angegangen bin. Und fast ein weiteres, bis ich die ersten Artikel veröffentlicht habe.
Es ist ein Muster, das schwer zu durchbrechen ist. Aber mit einer großen Portion Selbstreflexion und den passenden Strategien ist es möglich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Prioritäten richtig setzen
Jetzt weißt du, was Prioritäten sind – und hast vielleicht auch schon rausgefunden, warum du sie bisher nicht erfolgreich setzen konntest. Doch wie kannst du deine Aufgaben nun priorisieren? Dafür habe ich dir 5 klare Schritte definiert:
- Ziele kennen: nur so weißt du, in welche Richtung du Prioritäten setzen sollst
Die Basis für deine Prioritäten sind deine Ziele. Dabei ist es egal, ob du mit festen Zielen für einen bestimmten Zeitraum (5 Jahre / 1 Jahr / Quartal / Monat etc.) arbeitest. Oder ob du für dich einen Leitstern bzw. eine Vision definiert hast.
Wichtig ist: nur wenn du weißt, wohin du möchtest, kannst du bestimmen, wo du aktuell stehst, und welche Prioritäten notwendig sind, um deinem Ziel näher zu kommen. - Bestandsaufnahme: Welche Aufgaben stehen aktuell an?
Aus deinen Zielen und deiner laufenden Selbstständigkeit ergeben sich Aufgaben. Um darunter deine Prioritäten bestimmen zu können, empfehle ich dir, diese Aufgaben an einem bestimmten Ort aufzuschreiben. Digitale Lösungen sind dabei besonders praktisch, da du über dein Smartphone jeden Einfall sofort aufschreiben kannst. Aber natürlich kannst du auch ein Notizbuch dafür verwenden, wenn du damit besser arbeiten kannst.
So kannst du deinen Kopf von allen „Das muss ich noch tun“-Gedanken befreien. Und hast eine komplette Übersicht, um diejenigen Aufgaben zu finden, die du als nächstes angehen möchtest. - Setzen der Prioritäten: Welche konkreten Aufgaben müssen als nächstes erledigt werden?
Im dritten Schritt legst du deine konkreten Prioritäten fest. Passende Methoden findest du detailliert erklärt im nächsten Kapitel. Vorab ist es wichtig, einen entsprechenden Zeitraum festzulegen. Ich empfehle, dies für einen einzelnen Tag bis zu maximal einer Woche zu machen. Bei größeren Zeiträumen gibt es meist zu viele Veränderungen, sodass der Prozess ineffizient wird.
Notiere dir deine Prioritäten an einem gut sichtbaren Ort – so hast du sie im Blick und kannst sie nach Fertigstellung abstreichen. - Prioritäten umsetzen: so arbeitest du die Aufgaben auch wirklich ab
Prioritäten setzen ist gut – aber sie bringen dir nichts, wenn du sie nicht umsetzt. Darum finde für dich einen Weg, um vor allem auch die unbequemen Prioritäten tatsächlich anzugehen. Passende Methoden dafür stelle ich im übernächsten Kapitel vor. Nur so wirst du deinen Zielen in der Selbstständigkeit näher kommen. - Langfristige Ziele nicht aus den Augen verlieren: Tipps, wie du auch hier dranbleibst.
Das Tagesgeschäft kann alle Ressourcen binden. Gleichzeitig ist es wichtig, in regelmäßigen größeren Abständen (z.B. alle drei bis 6 Monate) eine Strategiesitzung für deine Selbstständigkeit zu machen: Stimmen deine Ziele noch? Inwiefern bist du ihnen seit dem letzten Mal näher gekommen? Welche nächsten Unterziele kannst du definieren? Und gibt es ein neues großes Projekt (wie z.B. einen neuen Marketing-Kanal, oder die Entwickelung eines neuen Produkts), das du angehen möchtest?
Überarbeite im Anschluss deine Aufgabenliste, um sie an deine Erkenntnisse anzupassen.
Praktische Methoden für Selbstständige zur Prioritätensetzung
Wie kannst du in deiner Selbstständigkeit nun ganz konkret deine Aufgaben priorisieren? Dafür stelle ich dir im Folgenden drei verschiedene Methoden vor.
Pareto-Prinzip (80/20-Regel): Wie du die 20 % findest, die 80 % deines Erfolges ausmachen.
Das Pareto-Prinzip geht auf die Beobachtungen von dem italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto (1848–1923) zurück und besagt, dass häufig mit 20 % der Anstrengungen 80 % der Ergebnisse erreicht werden. Und auch wenn die Anteile je nach Situation schwanken können, ist das Prinzip ein flexibler Hebel, um die Prioritäten für deine Selbstständigkeit zu setzen.
So kannst du dir bei deiner Priorisierung zum Beispiel überlegen, mit welchen wenigen Kunden du den größten Anteil deines Umsatzes erzielst. Und konzentrierst dich infolgedessen besonders auf ihre Anfragen und den Ausbau der Kundenbeziehung.
Oder du analysierst, welche wenigen Produkten/Dienstleistungen zum größten Anteil deines Umsatzes führen. Und priorisierst deshalb deren Weiterentwicklung und Marketingmaßnahmen.
Du kannst auch allgemein überlegen, welche deiner Tätigkeiten langfristig den größten Einfluss auf den Erfolg deiner Selbstständigkeit haben. Das sind sicherlich weniger administrative Tätigkeiten wie Buchhaltung oder Wartung der Website. Sondern vielmehr Marketing oder Neukundengewinnung. Und diesen Tätigkeiten räumst du dann einen festen Platz in deinem operativen Tagesgeschäft ein.
The one Thing: Nach der Erledigung welcher einen Sache werde alle anderen Aufgaben einfacher oder sogar überflüssig?
Gary Keller hat in seinem Buch „The one thing“ eine simple und gleichzeitig unheimlich effektive Frage gestellt, anhand derer du deine Prioritätenliste erstellen und bestimmen kannst: Welche Aufgabe musst du erledigen, damit alle anderen Aufgaben auf deiner Liste einfacher oder sogar überflüssig werden?
Der Fokus bei dieser Frage liegt darauf, die Aufgabe(n) zu wählen, durch die du am effizientesten vorwärtskommst. Und damit mit deinen vorhandenen Ressourcen das bestmögliche Ergebnis erzielst.
Dabei gibt es zum einen direkte Zusammenhänge zwischen den Aufgaben: Wenn ich mich zum Beispiel zuerst mit dem Aufbau einer Buchhaltungssoftware beschäftige, werde ich danach weniger Zeit für die Rechnungsstellung und die Meldungen ans Finanzamt benötigen.
Zum anderen gibt es auch indirekte oder längerfristige Abhängigkeiten, die du berücksichtigen kannst: Wenn du heute Zeit in den Aufbau eines Blogs steckst, wirst du langfristig weniger Arbeit in Kaltakquise stecken müssen.
Und natürlich muss es nicht nur die eine Aufgabe geben, die bei der Frage klar hervorsticht. Aber ich bin davon überzeugt, dass es maximal einige wenige sein werden, durch deren Erledigung du dein Business effizient nach vorne bringst.
Eisenhower-Methode: Wichtiges und Dringendes unterscheiden
Basierend auf der Methode des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Dwight Eisenhower kannst du jede deiner Aufgaben in wichtig / unwichtig und dringend / nicht dringend einteilen.
Wichtig bedeutet dabei, dass die Aufgabe einen entscheidenden Einfluss auf dein Business hat, wie zum Beispiel die Überarbeitung deiner Positionierung oder die Festlegung einer Contentstrategie für LinkedIn. Dringende Aufgaben haben meistens eine klare zeitliche Frist, wie zum Beispiel die Umsatzsteuervoranmeldung oder auch die Fertigstellung eines Kundenauftrags in der vereinbarten Zeit.
Alle Aufgaben, die sowohl wichtig als auch dringend sind, schreibst du ganz oben auf deine Prioritätenliste. Direkt darunter kommen die Aufgaben, die dringend sind, aber nicht wichtig. Für wichtige Aufgaben ohne Dringlichkeit ist häufig spontan keine Zeit. Allerdings ist es entscheidend, dass du sie dir zu einem bestimmten Zeitpunkt in naher Zukunft fest einplanst, um deinen Zielen näher zu kommen. Aufgaben, die weder wichtige noch dringend sind, kannst du entweder direkt von deiner Aufgabenliste streichen, oder dir bewusst Zeit dafür in deiner Freizeit nehmen.
4 Tipps zum tatsächlichen Umsetzen der Prioritäten
Deine Prioritäten kennen ist das eine – doch nur wenn du sie wirklich angehst und umsetzt, wirst du deine Ziele erreichen.
Gerade das ist für viele Selbstständige schwierig – denn meistens wissen wir (zumindest grob), was wir tun sollten. Doch die Umsetzung schieben wir vor uns her, weil die Prioritäten anstrengend, schwierig oder umfassend sind. Darum kommen hier 4 Tipps, wie du deine Prioritäten auch wirklich umsetzen kannst:
Eat-that-frog: die schwierigste Priorität als erstes angehen, um mit einem Erfolgsgefühl die restlichen Aufgaben zu erledigen
Diese Methode wurde von Brian Tracy in seinem gleichnamigen Buch beschrieben. Demnach sollst du deine herausforderndste und bedeutendste Aufgabe direkt am Anfang des Tages erledigen. Dadurch wird das Risiko minimiert, dass du zu einem späteren Zeitpunkt am Tag doch keine Zeit mehr für die Aufgabe hast (z.B. weil ein dringenden Kundenanruf dazwischen kommt). Zusätzlich verspricht die Methode ein großes Erfolgserlebnis, das dich für die verbliebenen Aufgaben am restlichen Tag beflügelt.
Tagesplanung mit Timeblocking: Wie du produktive Zeitblöcke gestaltest, um fokussiert zu arbeiten.
Ähnlich wie die Eat-That-Frog-Methode ist Timeblocking eine Zeitmanagementmethode. Bei dieser bestimmst du zuerst den Umfang und die ungefähr benötigte Zeit deiner Priorität. Und blockst dir anschließend bewusst einen entsprechenden Slot in deinem Kalender. Im besten Fall zu einer Zeit, bei der du weißt, dass du eine produktive Phase haben wirst. Dadurch bekommt die Aufgabe den notwendigen Raum, der von dir aktiv gegen andere Termine verteidigt werden kann.
So verhinderst du, dass du anderen – weniger wichtigen Aufgaben – doch wieder den Vortritt lässt.
Pomodoro-Technik: mit Fokuszeiten und fest eingeplanten Pausen konzentriert arbeiten
Die Pomodoro-Technik wurde vom Italiener Francesco Cirillo in den späten 1980er Jahren entwickelt. Sie hilft gezielt, ins fokussierte Tun zu kommen. Zum Beispiel dann, wenn du mal wieder nicht von Social Media loskommst.
Das Konzept ist einfach: Beim Start deiner Arbeit stellst du dir einen Wecker auf 25 Minuten. Während dieser Zeit arbeitest du konzentriert, ohne Ablenkung. Danach machst du 5 Minuten Pause, am besten mit Bewegung (wie z.B. neues Wasser in der Küche holen). Dieses Muster wiederholst du nach Bedarf. Nach vier Sessions machst du eine längere Pause (15 bis 30 Minuten).
Durch die konsequenten Pausen kann dein Gehirn immer wieder kurz durchatmen, und die klare Anzeige der jeweiligen Restzeit hilft beim Durchhalten.
Co-Working: Gemeinschaft und Verbindlichkeit durch (virtuelle) Zusammenarbeit
Wenn es dir schwer fällt, konsequent an deinen Prioritäten zu arbeiten, weil du als Solo-Selbstständige*r die meiste Zeit alleine vor deinem Rechner sitzt, ist Co-Working eventuell eine Lösung: Dabei verabredest du dich mit mindestens einer anderen Person, und ihr trefft euch virtuell oder physisch zu einer bestimmten Uhrzeit. Wenn ihr mögt, könnt ihr euch kurz erzählen, was ihr euch für die gemeinsame Session vorgenommen habt. Und danach heißt es: gemeinsames konzentriertes Arbeiten – jede für sich an den eigenen Aufgaben, und trotzdem mit der Gewissheit, dass da noch jemand anders ist. Bei einem virtuellen Treffen wird das Mikro ausgeschaltet, die Kamera bleibt an. Und am Ende könnt ihr erzählen, was ihr von eurem Vorhaben umgesetzt habt.
Du siehst: es gibt ganz unterschiedliche Methoden, um deine Prioritäten tatsächlich umzusetzen. Wichtig dabei ist: Bei der Wahl der Methode gibt es kein richtig oder falsch. Probiere sie aus, und finde für dich raus, was dir in unterschiedlichen Situationen am besten hilft.
Die Rolle von Klarheit und Reflexion im Prioritätenmanagement
Die Theorie rund um das Thema Prioritäten ist das eine – doch im Alltag der Selbstständigkeit ist es immer wieder schwer, diese auch gezielt und erfolgreich anzuwenden. Darum gebe ich dir im folgenden Abschnitt eine Übersicht, wie du durch Klarheit, Reflexion und einen bewussten Umgang mit Herausforderungen deine Prioritäten nachhaltig managen kannst.
Klarheit schaffen: Regelmäßige Reflexion hilft, die eigenen Prioritäten zu überprüfen und anzupassen
(Selbst-)Reflexion ist besonders für Solo-Selbstständige wichtig. Denn wir allein sind für unsere Ergebnisse und Prozesse verantwortlich, und müssen dafür sorgen, dass sie gut sind.
Darum reflektiere bei deinen Prioritäten nicht nur regelmäßig, ob sie weiterhin zu deinem langfristigen Ziel passen (siehe oben Schritt 5).
Sondern prüfe auch alle paar Wochen, ob dein Vorgehen, Prioritäten zu setzen, verbessert werden kann. Folgende Fragen kannst du dir dafür stellen:
- Setze ich mir rückblickend sinnvolle Prioritäten?
- Hab ich mir zu viel/zu wenig vorgenommen?
- Sind meinen Prioritäten spezifisch genug, um ins Tun zu kommen?
Blockierende Denkmuster erkennen: Wie Perfektionismus oder Prokrastination die Prioritätensetzung behindern können
Solltest du Schwierigkeiten dabei haben, deine Prioritäten umzusetzen, kann dies an perfektionistischem oder prokrastinierendem Verhalten liegen.
Perfektionisten investieren viel Zeit in eine Aufgabe, um sie mindestens zu 100 % zu lösen, sodass weniger Zeit für andere Prioritäten bleibt. Anzeichen für einen Hang zum Perfektionismus sind zum Beispiel, dass du deutlich länger für eine Aufgabe brauchst, als du geplant hattest oder als andere in deiner Branche brauchen. Oder wenn du merkst, dass es dir schwer fällt, eine Aufgabe abzuschließen, weil du das Ergebnis immer weiter verbessern möchtest.
Menschen mit einer Neigung zur Prokrastination schaffen es nicht, ihre Prioritäten umzusetzen. Stattdessen schieben sie sie auf und wenden sich vermeintlich einfacheren Aufgaben zu, weil es so kurzfristig für sie leichter ist. Allerdings bleibt somit langfristig der Erfolg aus.
Die Kombination beider Verhaltensweisen ist besonders hinderlich: dann schiebt der Perfektionist die wichtige Aufgabe immer weiter auf, weil er denkt, dass er seinen eigenen Anforderungen niemals gerecht werden kann.
Disclaimer:
Ich verwende das Wort „Prokrastination“ im Bezug auf das alltägliche Verhalten, so wie es mittlerweile häufig im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet wird. Gemeint ist damit das gelegentliche Aufschieben unangenehmer oder herausfordernder Aufgaben, weil man z.B. Angst vor dem Scheitern hat, überfordert ist oder einen kurzfristigen Drang nach Ablenkung hat.
Es gibt jedoch auch den Begriff der klinischen Prokrastination. Dabei handelt es sich um ein tiefgreifendes, chronisches Verhaltensmuster, das die Lebensqualität erheblich einschränkt. Betroffene schieben nicht nur gelegentlich etwas auf, sondern kämpfen dauerhaft mit Kontrollverlust und massiven negativen Folgen, wie Stress, Schuldgefühlen und verpassten Chancen. Solltest du dich in dieser Beschreibung wiederfinden, suche dir bitte professionelle Hilfe.
Disziplin vs. Flexibilität: Wie du flexibel auf Veränderungen reagieren kannst, ohne deine Prioritäten aus den Augen zu verlieren.
Egal, wie gut du deine Prioritäten gesetzt hast, und wie vorausschauend du geplant hast: es kann immer passieren, dass sich kurzfristig eine Aufgabe ergibt, die du nicht berücksichtigt hattest. Das kann die Anfrage eines aktuellen Kunden sein, ein Brief vom Finanzamt oder die Buchung für einen kurzfristigen Vortrag.
Wichtig ist in diesen Momenten, ruhig und besonnen ein klares Bild von der aktuellen Situation zu gewinnen: wo stehe ich mit meinen vorher festgelegten Prioritäten? Wie wichtig ist die kurzfristige zusätzliche Aufgabe im Vergleich zu meinen bisherigen Prioritäten?
Die Gefahr ist groß, dass der kurzfristig aufkommenden Aufgabe Vorrang gewährt wird. Mein Rat ist allerdings: Nutze deine bestehende Methode (aus obigem Kapitel), um dir Klarheit über die tatsächliche Dringlichkeit dieser neuen Aufgabe zu verschaffen. Und entscheide dann, wie du weiter vorgehst: erledigst du sie zuerst und verschiebst eine andere Aufgabe auf einen späteren Zeitpunkt? Oder bleibst du bei deiner bisherigen Prioritätenliste, und planst die neue Aufgabe zu einem passenden späteren Zeitpunkt ein?
Nur wenn du besonnen und reflektiert auf unvorhergesehenes reagierst, wirst du aktiv das Steuer deines Business in den Händen halten. Ansonsten drohst du, dich von jeder Strömung mitreißen zu lassen, und somit dein Ziel nur mit Glück zu erreichen.
Praxisbeispiel: So setze ich meine Prioritäten als Selbstständige
Wenn du bis hierher gelesen hast, schwirrt dir vielleicht schon der Kopf vor lauter Methoden. Um dir eine mögliche Auswahl in der Praxis zu zeigen, stell ich dir meine persönliche Vorgehensweise vor:
Ich habe für mein Business einen Leitstern definiert, das heißt ich weiß, wo ich in 2 bis 3 Jahren stehen möchte. Einmal im Quartal reflektiere ich mein Vorankommen: inwiefern bin ich meinem Leitstern näher gekommen? Welche Ziele setze ich mir für die nächsten drei Monaten? Diese Ziele stehen als Erinnerung eingerahmt auf meinem Schreibtisch.
Jeden Montag erstelle ich unter anderem auf Basis meiner Quartalziele meine Aufgabenliste für die aktuelle Woche. Dabei habe ich immer meine verfügbare Zeit im Blick und nutze den Grundgedanken der Eisenhower-Methode. Das heißt ich scanne meine gesamthafte Liste, bewerte jede Aufgabe im Kopf nach Wichtigkeit und Dringlichkeit, und picke dann die Aufgaben raus, die für mich an oberster Stelle für die nächste Woche stehen.
Diese Prioritäten schreibe ich auf eine separate Liste und arbeite sie über die Woche ab. Bei Aufgaben, die mir schwer fallen (wie zum Beispiel das Schreiben von Blogartikeln), hat sich dabei die Kombination aus Eat-the-Frog und Pomodoro-Technik bewährt. Das heißt ich schreibe direkt morgens an dem aktuellen Artikel, gerne mit einem zeitlichen oder inhaltlichen Ziel. Dabei lasse ich einen Timer laufen, um weniger anfällig für Ablenkungen zu sein und um im besten Fall in einen Flow zu kommen.
Für spontane Aufgaben lasse ich einen Puffer in meiner Wochenplanung. Wobei ich jedes Mal für mich reflektiere, ob diese spontan aufkommende Aufgabe auf meiner Wochen-Aufgabenliste landet, oder ob ich sie erst mal auf meine Langzeit-Liste schreibe, sodass ich sie bei der nächsten Wochenplanung berücksichtigen kann.
So, jetzt kennst du meine Kombination von verschiedenen Methoden für die Priorisierung. Wichtig ist noch zu sagen: ich habe viel ausprobiert, um herauszufinden, was für mich gut funktioniert. Und ich reflektiere kontinuierlich, ob es immer noch passt. Darum lass dich nicht entmutigen, wenn es bei dir aktuell noch nicht gut klappt, sondern probiere weiter.
Fazit: Klarheit in deinen Prioritäten bringt dich langfristig zum Erfolg
Wow, du scheinst es wirklich ernst zu meinen mit deinen Prioritäten, wenn du bis zum Ende gelesen hast. Darum fasse ich hier noch mal die wichtigsten Punkte für dich zusammen:
- Sei dir klar darüber, wo du hinmöchtest – egal ob mit einem detaillierten 5-Jahres-Plan oder einem Leitstern.
- Erkenne deine persönlichen Störfaktoren beim Definieren und Umsetzen von Prioritäten.
- Suche eine für dich passende Methode, um deine Prioritäten zu setzen
- Finde heraus, wie du deinen inneren Schweinehund bei der Umsetzung von unangenehmen Prioritäten überwinden kannst.
- Lass den Alltag deine Prioritäten nicht durcheinander wirbeln, sondern treffe bewusste Entscheidungen für oder gegen Planänderungen.
Worauf wartest du noch? Fang jetzt an, deine Prioritäten bewusst zu setzen.
Und wenn du Hilfe dabei brauchst, schreib mir eine Nachricht – dann besprechen wir gemeinsam in einem kostenlosen und unverbindlichen Kennenlerngespräch, wie ich dich beim Aufbau einer passenden Routine unterstützen kann.
